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Der Marathon bildet heute den Abschluß der Spiele
Geschrieben von Ybag veröffentlicht am: Montag, 30. August 2004

Olympia Geschichte Dieser Lauf geht auf den Boten zurück, der einst die Nachricht des Sieges über die Perser nach Athen brachte:
"Freut euch! Wir haben gesiegt!"

Heute findet bei den Olympischen Spielen in Athen der krönende Abschluss statt. Der Marathonlauf der Männer. Das Rennen führt von Marathon („Fenchelfeld“) über 42,195 Kilometer bis ins antike Olympiastadion in Athen und besitzt seine Wurzeln in den historischen Ereignissen des Jahres 490 v. Chr., als die Athener und Plataier unter der Führung des Miltiades bei Marathon die Perser besiegten.



Der Geschichtsschreiber Herodot hat uns über diese Schlacht, in der die Perser den Nimbus ihrer Unbesiegbarkeit verloren, den wichtigsten Bericht hinterlassen. „Als die Aufstellung beendet war, wurde den Athenern das Signal zum Angriff gegeben, und sie stürmten auf die Barbaren im Laufschritt ein. Die Perser sahen sie im Laufschritt heranstürmen und trafen ihre Maßnahmen, sie zu empfangen, Sie hielten das Beginnen der Athener für Wahnsinn, der nur deren gänzliche Vernichtung zur Folge haben könne,“ Der Kampf habe sich lange hingezogen, auf beiden Flügeln aber hätten die Athener und Plataier den Sieg errungen, „Sie führten die beiden Flügel zusammen und kämpften mit den Feinden, die durch das Zentrum durchgebrochen waren. So errangen die Athener den Sieg.“
Der Sieg der Athener ist natürlich unumstritten. Aber wie die Siegesbotschaft nach Athen übermittelt wurde, ist nicht eindeutig. Plutarch überliefert uns in seiner Moralia den berühmten Bericht, nach welchem ein Läufer in vollständiger Bewaffnung nach Athen gerannt sein soll. Dort habe er nur noch sagen können: „Freut euch! Wir haben gesiegt!“ Dann sei er gestorben. Davon berichtet auch Lukian und nennt den Namen des Läufers mit Philippedes. In anderen (besseren) Handschriften heißt er Pheidippides. Dieser soll zuvor als Bote nach Sparta gesandt worden sein, um Hilfe im Kampf gegen die bei Marathon gelandeten Perser zu erbitten. Angeblich habe er dabei an zwei Tagen rund 200 Kilometer zurückgelegt. Eine Leistung, die für Laufherolde oder Tagläufer nicht ungewöhnlich waren.
Ob es nun historische Tatsache oder Legende ist, dass Pheidippides die Siegesbotschaft übermittelt hat oder nicht, bleibt offen. Der Sprachwissenschaftler Michel Breal aber war von der Geschichte der Perserkriege fasziniert. Deshalb schlug er 1896 bei der Erneuerung der Spiele zur Erinnerung an diesen legendären Lauf ein Rennen von Marathon nach Athen vor. Alle waren von dieser Idee angetan. Der Marathonlauf der Moderne war geboren. Aber noch nicht die heutige Streckenlänge, die nämlich nicht auf die Distanz von Marathon nach Athen zurückgeht.
1896 bewältigten 16 Teilnehmer auf einer südlichen Route von Marathon knapp 40 Kilometer nach Athen (Pheidippides soll eine nördliche Strecke gewählt haben). Der Grieche Spiridon Louis, Hirte und Wasserträger, gewann diesen Marathonlauf und wurde schon zu Lebzeiten in seinem Heimatland eine Legende.



Bei den folgenden Olympischen Spielen betrug die Streckenlänge des Marathonlaufs immer rund 40 Kilometer, die längste Distanz wurde 1920 mit 42,750 Kilometer gelaufen. Es dauerte bis 1924, ehe der internationale Leichtathletik-Verband die Streckenlänge des Marathonlaufs reglementierte. Dabei griff man nicht auf die Distanz von Marathon nach Athen zurück, sondern auf den olympischen Marathon in London 1908.
Die Episode, wie die Länge zustande kam, ist amüsant: Es war der Wunsch der Prinzessin, den Start des Marathons von der Ostterrasse des Windsor-Schlosses verfolgen zu können. Deshalb ist als Startplatz eine Wiese in der Nähe der Queen-Victoria-Statue bestimmt worden. Von Windsor bis zum White City Stadion waren es genau 26 Meilen, dies sind 41,843 Kilometer. Bis ins Ziel, das vor der Loge der Königin war, hatten die Läufer noch 385 Yards (352 Meter) zurückzulegen. So resultierte aus der Distanz von 26 Meilen und 385 Yards die Streckenlänge von den ungewöhnlichen 42,195 Kilometern.
Jene zusätzliche Distanz von 385 Yards wurde dem Italiener Dorando Pietri zum Verhängnis. Der Bäckergeselle aus Capri in der Provinz Modena war kurz vor dem Stadion mit seinen Kräften am Ende. „Es kam mir vor, als wäre ich betrunken. Plötzlich erkenne ich vor mir eine graue Mauer, die wie eine Festung aussieht, dazu eine beflaggte Brücke. Das ist das Stadion. Weiter kann ich mich nicht mehr erinnern“, erzählte er später. Für diese 385 Yards benötigte er zehn Minuten, auf den letzten Metern stürzte er fünfmal. Betreuer stützten ihn, auch Arthur Doyle („Sherlock Holmes“) half Pietri auf die Beine. Der Italiener wurde über die Ziellinie gezerrt – und wegen fremder Hilfe disqualifiziert. Sieger wurde Johnny Hayes aus New York. Die Königin aber war so gerührt, dass sie Pietri einen Goldpokal schenkte.
So endete der erste Marathonlauf über die inzwischen üblichen 42,195 Kilometer – jene Distanz, die auch heute beim Lauf von Marathon nach Athen alle in den Bann ziehen wird.

Der Marathon bildet heute den Abschluß der Spiele

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