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In Griechenland sterben die Esel aus
Geschrieben von Redaktion veröffentlicht am: Dienstag, 20. November 2007

Athen Umgebung Die Tiere fallen einem gnadenlosen Verdrängungswettbewerb zum Opfer: Autos, Lastwagen, Traktoren und Motorräder lösen den Esel als traditionelle Transportmittel ab. Während es in den 1950ern noch eine halbe Million Tiere gegeben habe, könnten es Ende 2007 weniger als 16.000 sein.

Ein Esel trottet langsam über eine staubige Landstraße. Auf seinem Rücken sitzt ein alter, grauhaariger Mann. Was sich anhört wie die Beschreibung eines Fotos aus einem Bildband über Griechenland, könnte bald nur noch in Büchern und auf Postkarten zu finden sein. Denn Griechenlands Esel verschwinden – und das bedenklich schnell.



„Die Eselspopulation ist in Griechenland in den letzten Jahren dramatisch gesunken“, sagt Giorgos Arsenos von der Aristoteles-Universität in Thessaloniki. In den vergangenen 50 Jahren habe ihre Zahl um 96 Prozent abgenommen. Während es in den 1950ern noch eine halbe Million Tiere gegeben habe, könnten es Ende 2007 weniger als 16.000 sein, schätzt Arsenos. „Falls dieser Trend anhält, dann wird es in zehn oder 15 Jahren weniger als 1000 geben.“
Die Ursachen für das Verschwinden der Grautiere sind vielfältig. So starben im Sommer viele während der verheerenden Brände auf dem südlichen Peloponnes. In dieser Region leben über 40 Prozent der griechischen Esel.
Ihr wahrer Feind ist jedoch der Fortschritt. Jahrhunderte lang transportierten Esel Menschen und Waren und halfen beim Pflügen der Felder. Doch nun sind sie ein Opfer der Modernisierung geworden. „Dort, wo man Esel durch motorisierte Fahrzeuge ersetzen kann, werden die Leute das tun, weil es bequemer ist“, sagte der Experte Paul Starkey auf einer internationalen Konferenz zur Rolle der Esel und Maultiere im Mittelmeerraum. Und so haben fast überall in Griechenland Autos, Lastwagen, Traktoren und Motorräder die Esel verdrängt.

Fast überall – außer auf Hydra. Nur rund 65 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Athen sind Esel auch heute noch das einzige Transportmittel. Der Grund: Motorisierte Fahrzeuge sind auf der Insel nicht erlaubt. Daher gibt es auf Hydra rund 1200 Esel und Maultiere, das sind etwa zehn Prozent des Bestandes im gesamten Land. „Der Esel und das Maultier gehören auf Hydra untrennbar zum Alltag“, sagt Inselbürgermeister Kostas Anastopoulos. „Ich glaube, ohne diese sympathischen Tiere könnten wir nicht leben.“
Doch Hydra stellt einen Einzelfall dar. Experten versuchen nun, den Eseln in Griechenland ein „modernes Image“ zu verpassen, um die Tiere zu erhalten. Sie sollen zu einem Symbol für Freizeit und Erholung werden. Zudem wird überlegt, ein nationales Schutzprogramm ins Leben zur rufen, um die Nachkommenschaft der Esel zu sichern. „Sie sind ein kulturelles Erbe, das wir für die nächste Generation erhalten sollten“, sagt Arsenos.

In Griechenland sterben die Esel aus

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