Kafenion Auch in Griechenland erfreuen sich schwere Geländewagen wachsender Beliebtheit - obwohl die meisten Fahrer ihre bulligen Wagen höchst selten über Stock und Stein steuern. Doch schon bald könnte in der griechischen Hauptstadt Athen kein Durchkommen mehr sein für die Allradmonster. Verkehrsminister Michalis Liapis erwägt, das Stadtzentrum für Geländewagen mit mehr als zwei Liter Hubraum zu sperren. Das geplante Fahrverbot ist Teil eines Bündels von Vorhaben, mit denen die chronischen Athener Staus aufgelöst, die Luftqualität verbessert und die Bürger animiert werden sollen, auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen. Bisher benutzt nur etwa jeder dritte Athener regelmäßig Busse und Bahnen. Während der Olympischen Spiele allerdings, als in der Vier-Millionen-Stadt strikte Einschränkungen für den privaten Autoverkehr galten, fuhren fast die Hälfte der Hauptstadtbewohner mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Diesen Prozentsatz wollen die Verkehrsstrategen in Zukunft halten.

Verkehrsminister Liapis beriet sich mit seinen Amtskollegen aus dem Umwelt- und Bauressort sowie dem Ministerium für Öffentliche Ordnung. Eine City-Maut, wie sie in London gilt, wurde verworfen. Das Athener U-Bahnnetz wird in den kommenden Jahren zügig ausgebaut. Bis 2012 soll es 150 Kilometer Streckenlänge umfassen, dreimal so viel wie heute. Eigene Busspuren sind geplant, Bahnen sollen nicht schon um Mitternacht ins Depot rollen, um für Nachtschwärmern attraktiv zu werden. Davon erhofft sich Polizeiminister Jorgos Voulgarakis einen Rückgang der Trunkenheits-Unfälle.

Auf jene Autofahrer, die dennoch Bus und Bahn verschmähen, kommen in Athen schwere Zeiten zu. Bereits seit Jahren dürfen sie nur jeden zweiten Tag ins Stadtzentrum fahren. Abwechselnd ist die Innenstadt für Autos mit geraden und ungeraden Endziffern im Nummernschild gesperrt. Neben dem Geländewagenverbot strebt die Regierung auch ein rigoroseres Vorgehen gegen Falschparker an. Um die chronischen Staus auf den Athener Hauptverkehrsstraßen aufzulösen, soll außerdem das Linksabbiegen fast überall verboten werden.

Den Athener Autofahrern ist zu raten, sich an die Beschränkungen zu halten. Denn demnächst wird das Auge des Gesetzes fast überall auf ihnen ruhen: Polizeiminister Voulgarakis plant, rund tausend Überwachungskameras, die für die Sicherung der olympischen Sportstätten angeschafft wurden, auf den Straßen zu installieren und für die Verkehrsüberwachung einzusetzen.