Vermischtes

Buchvorstellung  "Vom Pontos in den Pott" von Maria Laftsidis-Krüger...

Es geht um die Vertreibung kleinasiatischer Griechen aus ihrer mehr als zweitausend Jahre alten Heimat. Es geht um die Ansiedlung der unerwünschten Flüchtlinge in der alten Heimat, von Menschen, die anders aussehen und sprachen, die anders aßen, sangen und wenn sie Griechisch sprachen, dann so anders und mit einem merkwürdigen Zungenschlag, der so an das Altgriechisch der Antike erinnerte. Es ist die Geschichte einer Assimilation unerwünschter Menschen in einen Staat,der nach einem verlorenen Krieg am Rand der finanziellen Existenz stand und außer schlimmern Lagern den von Heimweh gepeinigten Landsleuten nichts bieten konnte. Es ist die Geschichte von fleißigen Menschen, die sich nicht aufgaben und sich in der ungewohnten "Heimat" ein neues Leben und Auskommen schafften mit einem Zusammenhalt und Elan, der seinesgleichen suchte. Und es ist die Geschichte einer erneuten wirtschaftlichen Entwurzelung, die Tausende junger Griechen noch einmal in die Fremde trieb. 

                 



Leseprobe:

Am Abend vor der Ankunft in Konstantinopel spürte jeder, wie die Stimmung an Bord ihren Tiefpunkt erreichte. Mütter sangen ihre Kinder in den Schlaf in einer Sprache, die dem Untergang geweiht war. Für einige junge Menschen an Bord hatte die stürmische Überfahrt beinahe etwas Romantisches. Zwischen dem ersten heimlichen Händchenhalten in dunklen Gängen auf dem Schiff und dem ersten Kuss einer pontischen Schönheit, vergaß man die Wirklichkeit. Musikanten mit ihrer Baglama oder Lyra spielten unermüdlich auf in einer Ecke hockend, um Trost zu spenden. Die ersten Rembetiko-Lieder entstanden zwischen Hoffnung und Elend und gaben den traurigen Seelen der Pontosgriechen eine Stimme. Worte, die sich aneinanderreihten auf der Reise von Trapezunt bis Konstantinopel, um von dieser unsagbar schweren Trennung zu erzählen. Man ließ die Mana weinend zurück. Eine Trennung für immer, die ihr Ventil auf morschen Holzbrettern irgendwo auf dem untersten Deck löste. Männer, die sich tagelang nicht waschen konnten und deren Bärte nicht rasiert waren, tanzten im Kreis auf engstem Raum. 
Sie hoben die Arme gen Himmel, flehten, weinten und schwebten über das Holz, als wäre der jüngste Tag angebrochen. Palikaria , zu jung, um mittanzen zu dürfen, saßen in der Hocke am Rand der Bühne und klatschten im Takt. Momente, die sie zusammenschweißten. 
Der Rhythmus hallte bis hinauf ans Außendeck, auf dem Chrissoula mit Lazo an der Reling stand und ihm die Richtung zeigte, in der das Schiff nun seine letzte türkische Hürde nahm.
« Wann sind wir denn endlich da, Giagiaka ? »
« Es dauert nicht mehr so lange. Ich denke morgen Früh. Wir haben etwas Zeit durch den Sturm verloren. »
« Ich bin sehr aufgeregt, wie es in Griechenland sein wird. In Konstantinopel machen wir doch nur eine kurze Rast, oder? », schaute der Kleine seine Oma fragend an. Nach seiner Mutter zu fragen, traute er sich nicht. Niemand sprach über sie und er hatte Angst, Trauriges zu erfahren. Also schwieg er lieber. Irgendwann würde der Tag kommen, an dem er die ganze Wahrheit erfahren würde.
« Ich werde dort aussteigen, agapi mou », schaute Chrissoula ihren einzigen Enkel an.
« Aussteigen? Aber warum denn? Ich denke, wir fahren noch weiter. »
« Ja, du und Papa. Ich habe dort etwas sehr Wichtiges zu erledigen und wenn ich es jetzt nicht erledige, schaffe ich es nicht mehr in diesem Leben. Verstehst du das? »
« Sehr wichtig? », horchte Lazo nach.
« Sehr wichtig, paidi mou. Es kann nicht länger aufgeschoben werden », war die Pontia den Tränen nahe.
« Aber, aber, dann verliere ich ja auch dich noch. Mama ist ... »
Die Pontia nahm den Kleinen in den Arm.
« Deine Mama wird dich finden. Sie hat sich verspätet und wird ihr Leben dort leben, danach sucht sie dich, glaube es mir! Sie ist noch jung und du ein kleiner Junge. Ihr habt das ganze Leben noch vor euch. Sei nicht mehr traurig. »
Lazo nickte, er vertraute seiner weisen Oma.
« Gut, dann werde ich auf sie warten. Ich hoffe, sie findet mich noch in diesem Leben und nicht erst im nächsten. Kann ich nicht einfach mit dir hier aussteigen und zurückfahren mit dem Zug oder dem Schiff nachhause? Mama ist dort, Leila ist dort. »
Chrissoula rang noch Worten, der Kleine tat ihr unendlich leid. Aber sie konnte ihn nicht mitnehmen.
« Lazo, ich verspreche dir, dass deine Mama dich finden wird. Du musst bei deinem Papa bleiben. Er kann doch nicht ganz allein reisen. Oder? »
« Gut, Oma. Wenn Du mir versprichst, dass Mama nachkommt, passe ich auf Papa auf. »
« Ich verspreche es Dir. »
Jeder, der die Pontia kannte, wusste, dass sie solche Versprechungen nicht einfach aussprach, ohne sich etwas dabei zu denken. In der Nacht zufuhr hatte sie von Elisabeth geträumt. Georgios hatte sie es bisher nicht erzählt, er würde seine Frau nie mehr wieder sehen. 
Lazo musste Geduld haben.


   Maria Laftsidis-Krüger

Geboren im Ruhrpott als Halbgriechin. Mutterland Deutschland. Vaterland Griechenland. Das bedeutet immer
Spannung im Alltag. Langweile kommt nicht auf.
Nach ein paar Auftritten bei diversen Kochshows schlich sich die Idee ein, ein Kochbuch zu veröffentlichen mit
griechischen Gerichten, die ich hier und da ein wenig mit eigenem Gusto neu entdeckt habe.
Auf Dauer kann man mit "Griechischem Salat zu Souflaki" oder "Pastitio" keine Kochlektüre verkaufen, das kennt
ja schon jeder.
Also auf zu neuen Ufern. Irgendwann entdeckte ich die Möglichkeit, Kochabende für Kochbegeisterte mit einem
Hang zu Hellas, für mich. Dadurch habe ich viele liebe Menschen kennengelernt, die mich immer zu neuen Kreationen
inspirierten, nicht zuletzt auch zu der irrwitzigen Idee, einen Roman zu schreiben.


Maria Laftsidis-Krüger 
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