Kultur

Musik ist für die Griechen nicht einfach nur Musik.
Sie ist das Lebenselixier, welches sie brauchen, um zu überleben.
Das Wort ist über 2500 Jahre alt und hat von seiner Schönheit, seinem Glanz nichts verloren.
Selbst Homer webte den 7/8 Rhythmus in seine weltberühmten Verse ein, unaufdringlich und doch so intensiv.

Ein Hellene ohne Musik, das ist wie Delphi ohne Pythia, wie Olympia ohne Lorbeerkranz oder gar der Acheron ohne Charon. Der Grieche fühlt Musik, den Rhythmus, vielleicht ein wenig intensiver, weil seit über 5000 Jahren die Klänge der Harfe und der Syrinx über die Berge und Täler hallen, als würde Pan höchstpersönlich zum Tanz aufspielen.

Uralte Mythen vergangener Tage verschmelzen sich in den Klängen von Bouzouki und Baglama, wenn das Taschentuch, das imaginäre rote Wollknäuel der Ariadne, dem Tänzer ein wenig Halt gibt, wenn er mutige Sprünge und Drehungen zelebriert. 
Mut und Stolz in Vollendung.
Musik als Ventil für die Seele, nicht nur, wenn sie fröhlich ist. Auch wenn die Seele fast zerbricht unter einer schweren Last, wird Musik zum Tröster, zum Begleiter, der einfach nur das ist ohne zu fragen.
Jemand betritt die Bühne, wirft den Musikern ein paar Scheine hin, die Musik spielt auf.
Nur für ihn! Niemand stört ihn, wenn er mit gekonnten Schrittfolgen förmlich über das Parkett schwebt. Fast trunken und dennoch Herr seiner Sinne. Beinahe schwankend, als ob er jeden Moment zu Boden geht. Und doch hält er das Gleichgewicht wie ein Akrobat. Der Körper, die Seele, werden eins mit dem Takt. In diesen Momenten will sich der Kummer einen Weg bahnen. Er will hinaus, bevor er die Seele zerfrisst. Die Arme erheben sich wie die Schwingen eines Adlers gen Himmel, eine Figur, die es seit Jahrhunderten gibt und die nie sterben wird. Drei, vier Minuten dauert das Schauspiel, fast wie in Trance. Dann ist es vorbei. Der Tänzer hat sich befreit von seiner Last.



Musik, die stark macht gegen fast alle Schicksalsschläge des Lebens.
Tanz und Musik war somit auch ein Instrument gegen die Besatzer des Landes. Eine sanfte Waffe, um singend in den Tod zu springen, damit man nicht in die Hände des Feindes fällt. 
Freiheit oder Tod !
Ein ganz besonderes Gen der Hellenen, welches sie in sich tragen, egal, in welchem entlegenen Winkel dieser Welt sie sich befinden. Sei es in Amerika, wo Nick jeden Abend tanzt, um zu vergessen, dass seine Frau ihn betrügt. Oder in Australien, wo Jannis des nachts alleine zum Klang der Bouzouki tanzt, weil er nicht zum Begräbnis seiner Mutter in die Berge Makedoniens reisen konnte.
Es ist der Rhythmus, der Klang der uralten Instrumente, der überall auf der Welt für Griechen gleich schlägt. Sie müssen sich nicht kennen, um miteinander zu tanzen.
Die Musik vereinigt sie….seit Jahrtausenden...
Xairetismata Maria

Ein Bericht von Maria Lafitsidis-Krüger
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