„Das ‚Wunder‘ des Süßwassers: Der tägliche Kampf ums Überleben auf Ägina im Jahr 1937“

Am 16. Juni 1937 streift der deutsche Fotograf Willy Pragher durch die ländliche Gegend von Ägina. Das Klicken seiner Kamera hält eine Szene fest, die voller Dynamik, aber auch von tiefer Härte geprägt ist.

Frauen und Männer jener Zeit, die sich um einen imposanten Steinbrunnen versammelt haben, kämpfen jeden Tag um das wertvollste Gut des Lebens: Wasser.

Dieses Foto, das in den historischen Archiven erhalten geblieben ist, ist nicht nur ein ästhetisches Zeugnis der Zwischenkriegszeit. Es ist der Spiegel einer ganzen Epoche und der lebendige Beweis für die Besonderheit, die die Region Livadi auszeichnete.

Auf einer Insel wie Ägina, wo Dürre die Regel war und der Großteil des Grundwassers brackig war, bildete Livadi eine Ausnahme. Dieses Gebiet verfügte über einen seltenen, ergiebigen Grundwasserspeicher mit Süßwasser von hervorragender Qualität.

In einer Zeit, in der ein zentrales Wasserversorgungsnetz noch in weiter Ferne lag, war dieser große Brunnen nicht nur eine landwirtschaftliche Infrastruktur, sondern eine öffentliche, lebenswichtige Lebensader für die lokale Gemeinschaft.

Der Alltag rund um den Brunnen war hart und erforderte körperliche Ausdauer. Der Ablauf umfasste bestimmte Schritte.

Die Bewohner – vor allem Frauen, die die Last der Hausarbeit trugen, aber auch professionelle Wasserträger – schöpften das Wasser und füllten die großen Tonkrüge, die auf dem Bild zu sehen sind.

Die Krüge wurden sorgfältig auf Esel verladen, die damals das wichtigste Transportmittel darstellten.

Das Wasser wurde entweder zu den Häusern des Dorfes für den unmittelbaren Bedarf transportiert oder in die wasserarme Stadt Ägina, wo die Wasserträger es als wertvolle Ware verkauften.

Der Brunnen in Livadi diente nicht nur der Wasserversorgung der Menschen. Wie die große Steinplattform um den Brunnen herum bezeugt, diente der Ort auch als Stelle für die Bewässerung und das Tränken der Tiere.

Dort versammelten sich die Zugtiere und die Tiere, die bei der Feldarbeit eingesetzt wurden, um ihren Durst zu stillen, wodurch sich dieser Ort zu einem lebendigen sozialen und wirtschaftlichen Zentrum der ländlichen Gegend von Ägina entwickelte.

Das Foto von Willy Pragher erinnert uns auf äußerst eindringliche Weise an den Wert der Ressourcen, die wir heute als selbstverständlich ansehen, und bewahrt das historische Gedächtnis einer Insel, die im Laufe der Zeit gelernt hat, mit beharrlicher Geduld zu überleben.

Text: Dionysis Papadimitriou


Copyright für Text und Foto bei Dionysis Papadimitriou
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Übersetzung: Athen Magazin


Ungefähr in der Gegend von Aegina