Das Dilaveri-Haus: Die steinerne „Burg“ von Ägina und die Zuflucht der Künste"
Inmitten der wilden Schönheit der Küste von Ägina, dort, wo die Wellen an den Felsen brechen, erhebt sich ein Gebäude, das den Blick jedes Passanten auf sich zieht.
Das Dilaveri-Haus, das von den Einheimischen aufgrund seines imposanten, festungsartigen Erscheinungsbildes oft als „Burg“ oder „Turm“ bezeichnet wird, ist nicht nur ein architektonisches Juwel in Plakakia auf Ägina. Es ist ein lebendiges Zeugnis der industriellen Blütezeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts, aber auch ein stiller Beobachter der Blütezeit der griechischen Literatur und Kunst.
Zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts entschied sich der berühmte Industrielle Efstathios Dilaveris aus Piräus für Ägina, um dort die Landvilla seiner Familie zu errichten. Die Familie Dilaveris war damals auf dem griechischen Markt sehr erfolgreich; ihre berühmte Fabrik zur Herstellung von Mosaikfliesen und europäischen Dachziegeln in Piräus galt als Vorbild ihrer Zeit.
Für sein Ferienhaus wünschte sich der Industrielle etwas, das sich nahtlos in die Umgebung einfügt. Das Gebäude wurde mit klaren Linien und einer schlichten, soliden Struktur aus Sichtstein entworfen. An strategisch günstiger Lage direkt am Meer und unweit des Leuchtturms erbaut, glich und gleicht das Herrenhaus noch immer einem steinernen Aussichtsturm, der den Saronischen Golf überblickt.
Im Laufe des 20. Jahrhunderts entwickelte sich die Gegend um das Haus der Familie Dilaveri zu einem informellen, aber äußerst einflussreichen intellektuellen und künstlerischen Zentrum des Landes.

Begeistert von der Ruhe und dem einzigartigen Licht der Landschaft entschieden sich führende Persönlichkeiten der griechischen Intellektuellenwelt dafür, ihre Häuser und Ateliers nur einen Steinwurf von dem Gebäude entfernt zu errichten.
Zu den berühmten Nachbarn zählen Nikos Kazantzakis, der dort einige seiner bedeutendsten Werke verfasste, Yannis Moralis und Nikos Nikolaou, die das Licht von Ägina auf ihren Leinwänden festhielten, sowie den Bildhauer Christos Kapralos, dessen nahegelegenes Atelier heute als Museum dient und das künstlerische Erbe des Ortes bewahrt.
Für all diese bedeutenden Künstler bildete das Haus Dilaveris den festen visuellen Hintergrund ihrer täglichen Spaziergänge und ihrer endlosen Gespräche über Kunst und Leben.
Das Schicksal des Gebäudes änderte sich im Laufe der Jahrzehnte. Nach dem Tod des letzten Nachkommen der Familie, Kriton Dilaveris, wurde der größte Teil ihres riesigen Vermögens und ihrer Immobilien der Stadt Piraeus vermacht, wodurch die Geschichte des Anwesens endgültig mit der Stadt verbunden wurde, in der die wirtschaftliche Dynastie der Familie ihren Anfang nahm.
In der Nachkriegszeit (in den 1950er und 1960er Jahren) auf Initiative und unter der Organisation von Athina Dilaveri (Ehefrau von Kriton Dilaveri und spätere Vorsitzende des Vereins der Freundinnen der Polizei – O.K.F.A. Piraeus), in Zusammenarbeit mit dem PIKPA und staatlichen Sozialbehörden im Rahmen der Nachkriegsprogramme zur Bekämpfung der Kindersterblichkeit und der Tuberkulose wurde das Anwesen als Kinderferienlager genutzt und bot Betreuung und Verpflegung für Kinder aus Ägina und Piräus, die unter den Entbehrungen des Krieges gelitten hatten, sowie für Kinder mit Atemwegserkrankungen oder solche, die Seeluft und eine ausgewogene Ernährung benötigten, und die ein Jahrzehnt lang ununterbrochen tätig war.
Auf dem Gelände des Anwesens wurden große Zelte aufgestellt, während das Innere des steinernen „Turms“ für die administrativen und sanitären Belange des Ferienlagers genutzt wurde.
Trotz des Verstreichens der Zeit, der natürlichen Verwitterung und der städtebaulichen Veränderungen, denen die Umgebung unterworfen war, steht die „Burg“ in Plakakia auch heute noch.
Es ist nach wie vor eines der bekanntesten, am häufigsten fotografierten und historisch bedeutendsten Denkmäler an der Küste von Ägina.
Jedes Mal, wenn die Sonne hinter ihren Steinmauern untergeht, strahlt das Dilaveris-Haus weiterhin den Glanz der alten Bürgerschicht aus, die diese Insel liebte, und erinnert uns alle an eine Zeit, in der Industrie, Architektur und Kunst harmonisch unter dem Himmel von Ägina zusammenlebten.
Text: Dionysis Papadimitriou
Copyright für Text und Foto bei Dionysis Papadimitriou
Facebook: Dionysis Papadimitriou
Übersetzung: Athen Magazin


