​​Hotel Brown

"Von London bis zum Argosaronischen Meer:
Die unbekannte Geschichte des „Brown Hotels“ und des Schwammfischfangs auf Ägina"

Der Strand von Ägina steht heute für Spaziergänge der Besucher, malerische Cafés und die berühmten Pistazien.

Hinter der kosmopolitischen Ausstrahlung der Insel verbirgt sich jedoch eine Vergangenheit voller Meersalz, harter Arbeit und weltweiter Handelsbeziehungen. Eine goldene, aber zugleich auch harte Zeit für Ägina war die Ära der Schwammfischerei, die die Insel in den Mittelpunkt eines internationalen Handelsnetzwerks rückte.

Ein lebendiges Zeugnis dieser Epoche ist bis heute ein architektonisches Juwel direkt am Strand: das historische Gebäude, in dem heute das Hotel Brown untergebracht ist.

Die Geschichte des Gebäudes reicht bis in die Anfänge des 19. Jahrhunderts zurück, als die Familie Cresswell, angesehene britische Kaufleute, mit dem Handel mit Schwämmen begann.

Brown Hotel

In Anerkennung der strategischen Bedeutung von Ägina entsandte das Unternehmen 1880 einen ständigen Vertreter auf die Insel, den englischen Geschäftsmann George Brown. Seine Aufgabe bestand darin, die Schwämme direkt von den einheimischen Fischern zu kaufen und so die Zwischenhändler zu umgehen.

Wenn man sich die Fassade des Gebäudes auf dem Foto genau ansieht, kann man noch die Aufschrift „International Sponge Importers Ltd. London“ erkennen.

Brown Hotel

Dieses Konsortium wurde 1903 in London gegründet. Große Familien von Schwammhändlern, darunter die Cresswell Brothers, schlossen sich mit dem klaren Ziel zusammen, den Weltmarkt zu beherrschen.

Um dies zu erreichen, errichteten sie Lagerhäuser und Verarbeitungsbetriebe an strategisch wichtigen Orten im Mittelmeerraum. Ägina war einer der wichtigsten Standorte.

Das imposante Gebäude am Strand von Ägina diente nicht nur als einfaches Lagerhaus, sondern als ein für die damalige Zeit modernes Zentrum für die Weiterverarbeitung.

Die Schwämme kamen dort schwarz und unbearbeitet an, genau so, wie die Taucher sie vom Meeresgrund geborgen hatten. In der Fabrik begann ein mühsamer Prozess, der das Reinigen durch das Aufbrechen der Schalen und das Entfernen der daran haftenden Fremdkörper, das Waschen und das sorgfältige Zuschneiden umfasste, um dem Schwamm seine endgültige Form zu geben, die Behandlung mit speziellen Chemikalien, die den Schwämmen ihre charakteristische, ansprechende gelbe Farbe verlieh, sowie die Sortierung und abschließende Einstufung nach Größe und Qualität.

Dieses Gebäude war eines der größten Exportzentren für Naturschwämme in Griechenland und stellte eine direkte Verbindung zwischen der heimischen Produktion und dem anspruchsvollen Londoner Markt her.

Die Schwammfischerei prägte das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben der Insel. Auch wenn Kalymnos und Symi im kollektiven Gedächtnis den Vorrang einnehmen, war Ägina das bedeutendste Zentrum der Schwammfischerei im gesamten Argosaronischen Meer.

Jedes Frühjahr stachen die Schwammtaucher von Ägina mit ihren Kaikis in See (wie die traditionellen „Achtermades“, jene speziellen Begleitboote, die das Hauptboot der Schwammtaucher begleiteten. Es handelte sich um das Boot, von dem aus die Taucher mit Tauchglocken ins Wasser tauchten. Es verfügte über eine manuelle oder mechanische Luftpumpe, die den Taucher mit Sauerstoff versorgte), und bereisten das gesamte Mittelmeer sowie die Küsten Nordafrikas.

Sie waren monatelang fort und setzten sich den Gefahren des Meeres und der tödlichen Taucherkrankheit aus.

Zurück auf der Insel stützte sich die örtliche Gemeinschaft auf die Frauen. Wie die Fotos aus jener Zeit belegen, bestand die Mehrheit der Beschäftigten in der Verarbeitungsfabrik aus Frauen und kleinen Kindern.

Während die Männer auf See waren, arbeiteten die Frauen von Ägina hart in den Betrieben von International Sponge Importers, um ihren Familien ein wertvolles zusätzliches Einkommen zu sichern.

Der Niedergang dieser einst florierenden Industrie vollzog sich schrittweise als Folge globaler geopolitischer und technologischer Entwicklungen.

In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts unterbrachen die Weltkriege die Seehandelswege. Den endgültigen Todesstoß versetzten sie jedoch in den 1950er Jahren mit dem Aufkommen synthetischer (Kunststoff-)Schwämme, deren Herstellung wesentlich kostengünstiger war.

Die Fabrik hat ihren Lebenszyklus beendet, doch das Gebäude hat nichts von seinem Glanz eingebüßt. Im Jahr 1959 wurde es in ein Hotel umgewandelt und erhielt den Namen des Mannes, dessen Name untrennbar mit seiner Geschichte verbunden ist: „Hotel Brown“.

Auch heute noch ziert dieses Gebäude den Strand von Ägina. Es ist nicht nur eine Touristenunterkunft, sondern ein lebendiges Denkmal des industriellen Erbes der Insel, das die Passanten an die Zeit erinnert, als Ägina ein wichtiger Handelspartner der britischen Hauptstadt war.

Text: Dionysis Papadimitriou

Copyright für Text und Foto bei Dionysis Papadimitriou
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Übersetzung: Athen Magazin

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